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Geschichte Harlachings

(zur Zeit in Bearbeitung)

 

Frühzeit und Etymologie:

Auf dem Gebiet von Harlaching zeugen archäologische Funde von ersten menschlichen Siedlungen aus der Eisenzeit. Mehrere Grabfunde aus verschiedenen Epochen weisen auf eine dünne, aber anhaltende keltische Besiedlung hin. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes findet sich um 1150 als „Hadaleichingen“. Der Name deutet auf einen (erschlossenen) Personennamen „Hadaleih“. Es wird vermutet, dass um 600 ein germanischer Sippenchef die Ansiedlung gegründet oder übernommen hat, die seither seinen Namen trägt. Ein neuerer Ableitungsversuch bezieht sich auf die Bezeichnung „Harlachen“ für Waldlichtung und geht von der Annahme eines unechten „-ing“ Ortsnamens aus. Gegen diese These spricht allerdings die Tatsache, dass die früheste überlieferte Namensform nicht „Harlach-“ sondern „Hadaleih-“ lautet, mit den Varianten „Hadelaich-en“, „Hadelah-ingen“ und „Hadelich-ingen“.

Matthias Paur, 1700.

Alt-Harlaching:

Der alte Ortskern lag um das St.-Anna-Kircherl am Harlachinger Berg, das 1186 erstmals als zum Kloster Tegernsee gehörig schriftlich verbürgt ist. Die wenigen Häuser waren von Wäldern und Wiesen umgeben. In der Nähe der Kirche wurde später das Harlachinger Schloss errichtet, das 1796 abbrannte und heute nicht mehr existiert.

Georg von Dillis, um 1790.

Zur ersten Gemeindebildung mit Festlegung eines Patrimonialgerichtes kam es 1818 zusammen mit Geiselgasteig, Harthausen, Hellabrunn, Laufzorn, Siebenbrunn und Wörnbrunn. Später wurde Harlaching für kurze Zeit Teil der Gemeinde Giesing. Am 1. Oktober 1854 wurde das Gebiet mit etwa 50 Einwohnern und seinen schon damals beliebten Ausflugszielen wie der Menterschwaige als Stadtteil zu München eingemeindet.

Menterschwaige:

Ab etwa 1900 begann eine zunehmend rasante Bautätigkeit auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen, v.a. durch den Kauf des Geländes (52 ha) durch das Bauunternehmen Heilmann und Littmann. Zuerst entstand nach Plänen der Architekten Gabriel von Seidl und Max Littmann Anfang des 20. Jahrhunderts die auf dem Areal des früheren Schlosses errichtete Gartenstadt Harlaching, die bis heute ihren grünen Charakter bewahren konnte. Es folgte die Villenkolonie Menterschwaige desselben Unternehmens am Isarhochufer. 1910 wurde nach langen Verhandlungen mit der Gemeinde Grünwald und vielen Grundbesitzern die Tramlinie zwischen dem Stadtzentrum Münchens und dem Marktplatz von Grünwald als „Isartal-Außenlinie“ (heute Linien 15/25) eröffnet. Damit nahm die Beliebtheit von Wochenendausflügen ins Isartal zwischen Flaucher und Grünwald sprunghaft zu, und auch der Siedlungsdruck wuchs. 1911 wurde zudem in den Isarauen der Tierpark Hellabrunn eröffnet, der weitere Besucher anzog. Alt-Harlaching mit Menterschwaige ist heute ein aus der Gartenstadtidee entstandenes, weiträumiges und repräsentatives Villenviertel mit den höchsten Mietpreisen in München.

Neu-Harlaching:

In Neuharlaching nordwestlich von Alt-Harlaching begann die Erschließung um 1920 mit einfachen Eigenheimen und lockerer Bebauung mit oft gemeinnützigen Geschosswohnungen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in Neuharlaching die so genannte „Alte-Kämpfer-Siedlung“ für Teilnehmer des Hitlerputsches von 1923 angelegt. Auch wurden Wohnungen für Mitarbeiter der nahe gelegenen Reichszeugmeisterei der NSDAP errichtet. Nach 1945 wurde diese als Bestandteil der McGraw-Kaserne von den Amerikanern übernommen. Teile Neuharlachings wurden von der amerikanischen Armee beschlagnahmt um dort Angehörige der Streitkräfte einzuquartieren, das Gebiet wurde eingezäunt und konnte nur noch an bewachten Übergängen betreten und verlassen werden. Erst 1954 erfolgte der Bau der US-amerikanischen Wohnsiedlung am Perlacher Forst („Ami-Siedlung“), und Harlaching wurde vom Stacheldraht befreit. Seit 1956 fand jährlich in der Ami-Siedlung das von den U.S.-Truppen ins Leben gerufene „Little Octoberfest“ statt, dessen Tradition auch nach Abzug der Truppen durch deutsche Schausteller bis 2005 weitergeführt wurde.

Das Krankenhaus:

1894
3. Dezember
Der Verwaltungsrat der städtischen Krankenanstalten, Kommerzienrat Friedrich Seyboth, richtete an die Gemeindekollegien folgenden Antrag:
"Es möge die Schaffung einer Heilstätte für leichter Erkrankte, als: Blutarme, Tuberkulose, Magenkranke und dergleichen und zwar auf dem Oekonomiegute Stadelheim, hart am Walde gelegen, ehestens beschlossen werden."

Der Neubau sollte einerseits und in erster Linie jenen unbemittelten Kranken eine Wohltat bringen, deren Genesung an den Krankenhäusern mangels der Freiluftbehandlung minder aussichtsvoll war, andererseits aber sollte die Stadt die Möglichkeit haben, ihre Krankenanstalten ausgiebig und auf geraume Zeit hinaus zu entlasten.
Dieser Antrag wurde bewilligt, die Planungen für das Grundstück Stadelheim begannen.

1896-98
Das alte Krankenhaus Harlaching wurde in den Jahren 1896-98 von Hartwig Eggers als dreigeschossige Dreiflügelanlage mit Mansardwalmdach, Dachreitern, Pavillons und einem Anbau zum Garten, neobarocker Putzfassade mit Loggien, Stuckornamenten, sowie Sockel- und Eckrustika erbaut. Das Wirtschaftsgebäude, eine zweigeschossige Dreiflügelanlage mit Mansarddach und Schopf, verfügt über eine barockisierende Putzfassade mit Lisenen.

1957
Der anhaltende Rückgang von TBC-Erkrankungen, der Bettenmangel und die Tatsache, daß die Stadt mit dem Krankenhaus Kempfenhausen ein weiteres TBC-Krankenhaus betrieb, führte zu Überlegungen, das Krankenhaus Harlaching einem anderen Verwendungszweck zuzuführen. Da die Bausubstanz noch erhaltenswert war, wurde sie in die Gesamtplanung für den Neubau eines modernen Großkrankenhauses einbezogen, selbstverständlich auf der Basis einer Generalüberholung und der Anpassung an zeitgemäße medizinische Erkenntnisse.

1965
Der Neubau des Krankenhauses Harlaching wird in Betrieb genommen. Es entstand zu dieser Zeit das modernste Krankenhaus Deutschlands. Es hat seit den 1970er Jahren den Status eines akademisches Lehrkrankenhauses und ist der größte Arbeitgeber im Stadtteil, der sonst vor allem Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor bietet. Ebenso begann am städtischen Krankenhaus Harlaching mit der Stationierung des Rettungshubschraubers „Christoph 1“ durch den ADAC seit dem 1. November 1970 der erste Dauerbetrieb eines Rettungshubschraubers in Deutschland. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Abzug der US-Army aus München erfolgte 1992 der Einzug verschiedener Dienststellen der Münchner Polizei in die ehemalige McGraw-Kaserne, die Wohnungen der Armeeangehörigen in der Ami-Siedlung wurden teilweise in Sozialwohnungen umgewandelt und zum anderen Teil in den freien Wohnungsmarkt entlassen. Die Bebauung Harlachings wird zunehmend dichter, besonders da seit den 70er Jahren viele Ein- und Zweifamilienhäuser abgerissen und durch Eigentumswohnanlagen ersetzt werden. Das städtebauliche Bild Neuharlachings ändert sich heute durch zahlreiche Neubauten, die Grenze zum ebenfalls zunehmend dichter bebauten Alt-Harlaching verwischt.

Christlich-kirchliches Leben in Harlaching:

Es gibt zwei katholische Pfarreien und eine evangelischen Gemeinde. Das St.-Anna-Kircherl wurde als Filialkirche der katholischen Pfarrei Heilige Familie zugeschlagen, deren Kirche 1931 als erste „moderne“ Pfarrkirche Münchens eingeweiht wurde. In den 20er Jahren gab es in Harlaching allerdings noch kaum freien Wohnraum, und so war der erste „Pfarrhof“ lediglich ein Zimmer in der Geiselgasteigstraße 3. Bereits ein Jahr später aber bekam der Pfarrer in der Aretinstraße 8 von einer Familie zwei Räume zur Verfügung. Für die täglichen Mahlzeiten war er bis Anfang April 1927 auf die Gaststätte Neumeier (heute "Harlachinger Einkehr") angewiesen.

1945 folgte die Kirchengemeinde Maria Immaculata .Der Name rührt von einer Notkirche, die am 8. Dezember 1945 von Kardinal Faulhaber an gleicher Stelle als erste neue katholische Kirche der Stadt München nach dem 2. Weltkrieg eingeweiht wurde. Am 15. August 1958 fand der Spatenstich statt, und am 26. Oktober wurde der Grundstein gelegt. Zum Bau der Kirche fand man in Regierungs-Baumeister Friedrich Haindl einen erfahrenen, aufgeschlossenen Architekten und in Prof. Henselmann einen Bildhauer, der tiefe Gedanken in kraftvoller An zu gestalten wusste. Als Grundriss wurde ein Achteck gewählt. da diese Form seit der Urkirche als Zeichen der Vollkommenheit galt. Zu dieser Gemeinde gehört auch die unten am Isarhang gelegene, bei den Harlachingern sehr beliebte, Kapelle namens Marienklause.

Seit etwa 1925/28 wurden durch Pfr. Dr. Mayer der Lutherkirche – Bibelstunden und Kindergottesdienste im Nebenzimmer der heutigen Harlachinger Einkehr abgehalten. 1931(?) wurde der Betsaal im Haus des Apothekers Rehbach, in der Seybothstraße, eröffnet. 1935 erfolgte der Spatenstich des Harlachinger Betsalles am Laurinplatz. Die evangelische Emmausgemeinde wurde 1940 gegründet. 1963 erfolgte schließlich die Grundsteinlegung für die neue Kirche, welche 1964 eingeweiht wurde.

Zu erwähnen ist noch, dass sich auf einem Plan des Kartografen Oscar Brunn (Brunn's Plan von München) aus den 30er Jahren an der Stelle, wo sich bis vor kurzem das Cafe Deml befand, eine größere Kirche geplant war. Offenbar sollte sie auf dem Niveau der südlich angrenzenden Bebauung, mit einer Mauer zum Gehweg himumter, positioniert werden. Das hätte dem Tiroler Platz ein ganz anderes Ambiente gegeben. Man beachte auch die Tramwendeschleife direkt vor der Harlachinger Einkehr.

 

(Quellen:Wikipedia; Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege; Internetpräsenz des Klinikum Harlaching; Internetpräsenz der Emmauskirchengemeinde; Internetpräsenz der Pfarrei Maria Immaculata; Internetpräsenz der Pfarrei Heilige Familie; Brunn's Plan von München)